Freitag 1. September 2017



Was lange währt, wird gut – Lilli Grün

Unbenannt-1Unbenannt-3Am 30. August war es endlich so weit. Die jüdische Schauspielerin und Schriftstellerin, Lilli Grün, wurde durch die Benennung einer Straße in Hellersdorf geehrt. Ein entsprechender Antrag wurde von Ulrich Brettin in der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf bereits im Jahr 2015 gestellt. Lilli Grün war eine österreichische Autorin und wurde in Wien im Jahr 1904 geboren. Ihr Engagement als Schauspielerin war nur teilweise erfolgreich. Nach einer Ausbildung zur Kontoristin, wendete sie sich zunehmend der Literatur zu. Bereits in den 1920er Jahren erschienen zahlreiche Arbeiten. Im Jahr 1931 entschloss sich Lilli Grün, Wien zu verlassen und nach Berlin zu gehen. Die große Arbeitslosigkeit war aber auch in Berlin vorhanden und ein Engagement als Schauspielerin zu finden, folglich schwer. Lilli Grün lebte in bitterer Armut, schrieb aber weiter an ihren Werken. Sie schloss sich dem Brücke-Kollektiv, einer Verbindung von Schauspielern und Kabarettisten, an. Dort lernte sie Ernst Busch, Hans Eisler und weitere Größen dieser Zeit kennen. Bei ihren Auftritten rezitierte sie eigene, freche Gedichte. Aufgrund ihrer Lebensumstände erkrankte Lilli Grün an Tuberkulose.  Ihre Erlebnisse im Kabarett verarbeitete sie in ihrem Roman „Alles ist Jazz“ (1933). Nach der Verschlimmerung ihres Lungenleidens kam 1935 der Roman „Loni in der Kleinstadt“ heraus. Im Jahr 1936/37 erschien ihr vermutlich letzter Roman „Junge Bürokraft übernimmt auch andere Arbeit“. Nach der Okkupation Österreichs 1938, kam auch Lilli Grün in die Mühlen des Verfolgungsapparates. Sie hatte schlagartig keine Möglichkeit mehr zu publizieren. Sie war völlig verarmt, chronisch lungenkrank und konnte somit nicht ins rettende Ausland emigrieren. Zuletzt war sie in einem Massenquartier für Jüdinnen und Juden in Wien untergebracht worden. Am 27. Mai 1942 wurde sie mit dem 23. Transport aus Wien deportiert. Noch am Tag ihrer Ankunft, am 1. Juni 1942 wurde sie im weißrussischen Maly Trostinec ermordet. Im „AVIVA Verlag“ sind Lillis Werke neu verlegt worden, darunter „Mädchenhimmel“, eine Sammlung ihrer Gedichte und Geschichten.  Die feierliche Einweihung des „Lilli-Grün-Weg“ wurde durch die Hausherrin, Frau Simone Nachkunst (interhomes AG), eröffnet. Nach einer Rede des Stadtrates, Johannes Martin, sprach Anke Heimberg zur Person Lilli Grün. Anke Heimberg ist die Biografin Lilli Grüns und hat zum Werden der Straßenbenennung aktiv beigetragen und den Kontakt mit Ulrich Brettin kontinuierlich aufrechterhalten. Auch die Verlegerin des „AVIVA-Verlages“, Frau Britta Jürgs, nahm an der Veranstaltung teil. Aus unserer Fraktion waren Klaus Mätz, Christiane Uhlich, Paul Kneffel und Ulrich Brettin gekommen. Unter den weiteren Gästen befand sich ebenfalls die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau. Nach der feierlichen Enthüllung des Straßenschildes begaben sich die Teilnehmer in das „Carola-Neher-Kulturzentrum“. Frau Heimberg und Frau Jürgs lasen aus den Werken Lilli Grüns und informierten über das Leben der Künstlerin. Dank an alle, die diese würdige Straßenbenennung ermöglichten.