Sonntag 15. Februar 2015



Fragt uns, wir sind die Letzten!

Am 29.01.2015 trafen sich auf Einladung der Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung, Katrin Bernikas, Vertreter der BVV-Fraktionen und des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf mit den Mitgliedern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Treffpunkt war das Kaffee Engels im Freizeitforum Marzahn. Anwesend waren auch Überlebende aus der Zeit des Nazi-Terrors. Auch Gerhart Hehnert, über dessen Leben wir bereits im vorigen Jahr berichteten, war gekommen. Erfreulich ist, dass sich der inzwischen 87 jährige bester Gesundheit erfreut und von seinen immer noch erfüllten Leben erzählte. Als Sechzehnjähriger wurde er als sogenannter Halbjude ins Kalkbergwerk Miltitz bei Meißen verschleppt und musste dort unter furchtbaren Bedingungen arbeiten. Dann berichtete eine Frau, auch Mitglied des VVN, vom Leiden ihres Vaters. Dieser war 12 Jahre im Konzentrationslager und überlebte diese grausame Zeit. Frau Bernikas begrüßte die Gäste, unter ihnen Stefan Komoß, unseren Bürgermeister,  sehr herzlich. Nach einer musikalischen Darbietung von Schülern der Marzahner Musikschule ergriff der Sprecher des VVN-Büros Marzahn, Max Putziger, das Wort. Auch er ist Zeitzeuge und berichtete von den vielfältigen Aktivitäten des Vereins. Die danach folgende Bezirksverordnetenversammlung begann mit einer Feierstunde für die Opfer des Faschismus. Die Worte des Gedenkens sprach der Ehrenvorsitzende des Child Survivors Deutschland e.V., Herr Horst Selbiger. Auch er erlebte die Schreckensherrschaft noch persönlich. Als Halbjude wurde er 1942, nachdem seine Schule geschlossen wurde, zur Zwangsarbeit verpflichtet und musste in einer Rüstungsfabrik als Tri-Wäscher schuften. Tri, das war eine hochgiftige Flüssigkeit mit der vollständigen Bezeichnung Tri-Chlor-Ethylen, die zur Metallreinigung verwendet wurde. Am 27. Februar 1943 wurde er im Zuge der berüchtigten „Fabrik-Aktion“ verhaftet. Im Sammellager umarmte er noch einmal und zum letzten Mal seine Esther, die er nie mehr wiedersehen sollte. In dieser Zeit entstand auch sein Zitat „Wir trösteten uns gegenseitig und waren uns nah wie nie zuvor“. In seiner Rede wies er auch darauf hin, dass sich nach dem Krieg unzählige Nazis in den Ämtern und Behörden der damaligen Bundesrepublik wiederfanden.